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Das digitale Schweigen – und der Lärm, der es brach

Schönes Gespräch im Wartezimmer

Wartezimmer sind ja meistens diese Orte, an denen die Zeit gefühlt rückwärts läuft. Heute saß ich wieder dort – in einem Wartezimmer in Coppenbrügge: Drei Menschen, absolute Stille, und jeder – mich eingeschlossen – war in sein Smartphone vertieft. Ein moderner Klassiker. Wir saßen zusammen in einem Raum, aber jeder war in seiner eigenen digitalen Welt gefangen.

 

Und dann passierte es:

 

Aus dem Nichts schallte ein lautes, fast schon schrilles Geräusch aus einem der Handys. Die Dame gegenüber zuckte sichtlich zusammen, ließ fast ihr Gerät fallen, lachte dann aber laut über ihren eigenen Schreck und entschuldigte sich vielmals für den „Lärm“.

 

Was normalerweise ein kurzer, peinlicher Moment gewesen wäre, war hier der perfekte Eisbrecher. Das Eis war nicht nur gebrochen, es war förmlich geschmolzen. Aus der Entschuldigung wurde ein Kommentar über Technik-Tücken, daraus ein Lachen und plötzlich steckten wir alle vier in einem richtig schönen Gespräch.

 

Wir kannten uns nicht, wir kamen aus völlig verschiedenen Ecken, aber für 20 Minuten waren wir keine anonymen Patienten mehr, sondern eine kleine, spontane Gemeinschaft.

 

Mein Fazit: Manchmal braucht es einen kleinen digitalen „Unfall“, um uns daran zu erinnern, dass die interessantesten Geschichten nicht im Feed stehen, sondern direkt gegenüber auf dem Polsterstuhl sitzen. Es waren die wohl kurzweiligsten 20 Minuten, die ich je in einem Wartezimmer verbracht habe.

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