Blackfin Boys: Action statt Langeweile

Das Problem: „Mein Kind zockt nur – und liest kein Buch!“

Kennen Sie das? Der Nachwuchs verbringt Stunden vor dem PC – Ego-Shooter statt Bücher. Die Grafik ist fotorealistisch, der Bass der Schüsse bebt im Zimmer – und das elterliche Entsetzen wächst, wenn auf dem Bildschirm im Sekundentakt Menschen digital ‚eliminiert‘ werden. Auf Dauer ist es nun mal nicht gesund, wenn man ständig anderen Leuten den Kopf wegpustet. Wie soll da ein „pädagogisch wertvolles“ Jugendbuch über den Schulalltag mithalten?
Die harte Wahrheit: Wenn das Kind am Bildschirm Welten rettet oder gegen Zombies kämpft, lockt man es nicht mit einem braven Coming-of-Age-Roman hinter dem Monitor hervor.

Eine Lösung: Die „Blackfin Boys“ – Bücher für die „Anderen“

2016 stellte ich mir die Frage: Was müssen Bücher bieten, damit Zocker und Lesefaule sie freiwillig lesen? Die Antwort war: Eine Mischung aus dem, was ich als 13-Jähriger vermisst habe und dem, was Jugendliche heute bewegt. Ich fing einfach an, das 1. Kapitel zu schreiben, inspiriert von meiner Vergangenheit, Void Stiles Stilinski (wer ist das?) und unzähligen Fahrten im Schulbus, wo ich langsam zur „unsichtbaren“ Fliege an der Wand wurde und lernte, wie die Zielgruppe wirklich tickt: über Freundschaft, Angst, Coolness und die Suche nach dem eigenen Platz:

In einem vollbesetzten Bus mit Schülern

Während meiner Dialysezeit fuhr ich viele Jahre in einem vollbesetzten Bus mit Schülern, die sich mit viel Dezibel über ihren Feierabend freuten. Mit meinem ins Gesicht gezogenem Cappy einem Rucksack wurde ich über die Jahre irgendwie eins mit einem Haufen überwiegend Jungs im Alter von ca. 12 bis 15 Jahre. „Zusammen” saßen wir hinteren Teil des Busses und so wurde ich langsam unsichtbar, zwar als Erwachsener nicht dazugehörig, ist ja klar, aber doch wurden um mich herum Gespräche geführt, die wohl sonst kein Erwachsener hören würden, schon gar nicht die Eltern. Nein, die bestimmt auf keinen Fall!

 
Nach ein paar Jahren wurde ich unfreiwillig über die Themen aufgeklärt, mit denen sich diese jungen Menschen beschäftigten. Das waren z.B. Sport, zu wenig Zeit, zu wenig Schlaf (wegen Messages & Insta checken um 02:30 Uhr), Mädchen, nervige Lehrer, Pornos, Nazis, Tierschutz (+ Bestrafung von Tierquälern) und alles, was auf Netflix läuft.

 
Kurzes Fazit: Ich nahm all diese Infos wie ein Schwamm auf und fügte sie in die Abenteuer der Blackfin Boys ein. 

Das Rezept der Blackfin Boys:

Was braucht ein Buch, um gegen eine Spielekonsole zu gewinnen? Ich habe alles reingepackt, was die „Blackfin Boys“ ausmacht:

  • Echte Helden & Deep Talk: Vier Jungs (16–19 Jahre) und ein Rottweiler namens Stiles. Sie sind keine perfekten Vorbilder, sondern Typen mit Ecken, Kanten und Ängsten. Ihr Zusammenhalt ist das Gesetz.
     

  • Waffen & Konsequenzen: Ja, es gibt Schusswaffen und Action. Aber im Gegensatz zum Videospiel hat jeder Abzug, der gedrückt wird, eine Konsequenz – emotional und real.
     

  • Extreme Locations: Vergessen Sie den Bauernhof nebenan. Wir ziehen die Leser in den Amazonas, in die Antarktis, auf tropische Inseln oder mitten ins Bermudadreieck. 
     

  • Coole Gadgets & Mobilität: Ob Amphibienfahrzeuge, Helikopter oder Draisinen – die Jungs müssen mobil sein, um zu überleben. Technik gehört zum Abenteuer dazu.
     

  • Horror, Grusel & Splatter: Paranormale Phänomene und das unheimliche Unbekannte sorgen für Gänsehaut. Es darf auch mal blutig werden – eben so, wie es die Zielgruppe aus Serien wie The Walking Dead kennt.
     

  • Authentizität (Marken & Realität): Hier wird Nutella gegessen, auf Kodak fotografiert und Black Forest Wasser getrunken. Keine künstliche „Autorensprache“, wie z.B. Schokocreme oder Schokoladenaufstrich.
     

  • Keine Tabus: Themen wie toxische Chats, sexuelle Identität oder Zivilcourage fließen organisch ein, ohne erhobenen Zeigefinger.
     

  • Die „Gang“ (Kameradschaft): Im Zentrum steht fast immer eine eingeschworene Gruppe von Jungs (oder Jugendlichen). Die Loyalität untereinander ist das wichtigste Gesetz. Wird das gebrochen, tut das so richtig weh.
     
  • Abwesenheit von Erwachsenen: Die Eltern sind entweder nicht da, ahnungslos oder Teil des Problems. Die Jungs müssen ihre Probleme selbst lösen. Das gibt ihnen eine Autonomie, die sie im echten Leben (Schule, Hausaufgaben) oft nicht haben.
     
  • Gefahr und Entdeckung: Es geht oft um ein Geheimnis in der Nachbarschaft, einen unheimlichen Ort oder eine Mission, die körperlichen Einsatz erfordert. Es ist „handfestes“ Abenteuer – Dreck unter den Fingernägeln inklusive.
     
  • Der moralische Kompass: Auch wenn die Jungs frech sind oder Regeln brechen, haben sie das Herz am rechten Fleck. Es geht um Ehre, Mut und darum, das Richtige zu tun, auch wenn es gefährlich ist.

Der Profi-Tipp für Eltern: Versuchen Sie nicht, das Lesen zu erzwingen. Legen Sie ein Blackfin-Boys-Taschenbuch „unauffällig“ auf die Konsole oder den Schreibtisch. Sagen Sie beim Rausgehen nur: „Dachte, das könnte dich interessieren“ – und verschwinden Sie schnell. Die provokanten Cover erledigen den Rest. Na ja, das klappt nicht immer, aber man kann es ja versuchen.


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